Adel und Feudalsystem im 11. Jahrhundert in England


Adel im 11. Jahrhundert:

n unserer Gruppe AD1099 werden z.B. der "Lord of Tonbridge" oder der "Lord of Hedingham" erwähnt. Der Titel "Lord" ist in Großbritannien der allgemeine Titel des hohen Adels, wird jedoch speziell für die Anrede der Peers und der Barone gebraucht. Die älteste Adelswürde im Vereinigten Königreich ist die des Barons, heute die fünfte und niedrigste Stufe des Hochadels. Ihre ersten Träger aus der Normandie erstritten zusammen mit Wilhelm dem Eroberer im Jahre 1066 den Sieg über die Angelsachsen in der Schlacht bei Hastings und wurden dafür mit reichlichem Landbesitz belohnt. Die „Barone des Königs“ ("barones regis") waren diejenigen Adligen, die als „tenant-in-chief“ vom König unmittelbar belehnt wurden, und diesen im Gegenzug zur Stellung einer bestimmten Anzahl von Rittern verpflichtet waren.


Feudales System der Normannen:

er Kern des Feudalsystem ist die Grundlage, dass ein Herr seine Männer, seine Getreuen, mit Mitteln ausstattete, die diesen befähigten, für ihn Kriegsdienste zu verrichten. Voraussetzung war, dass nur ein freier Mann sich einem Herrn unterstellen konnte, indem er diesem den Treueschwur leistete und somit sein Vasall (lat.: "miles" oder "vasallus") wurde. Der zukünftige Vasall legte seine Hände in die Hände seines Herrn, man nannte dies „Handgang“. Dann kam der Schwur auf die Bibel oder auf eine heilige Reliquie und der treue Mann erhielt ein Lehen ("beneficium" oder "feudum") von seinem Herrn, z.B. Land inklusive der Bauern darauf, die Fronarbeiten ausführten oder Land, welche Abgaben (Pächter) einbrachten. Der Lehnsträger hatte dann alle Nutzungsrechte und Herrschaftsrechte an dem Land. Das Wort 2beneficium" bedeutet übrigens "Wohltat", was darauf hindeutet, dass das belehnte Land als Wohltat seines Herrn zu verstehen ist, und auch so in Erinnerung bleiben sollte.

ls William, der Herzog der Normandie, ein Mann wurde, band er junge Männer aus den führenden Familien der Normandie durch Treue an sich, woraus eine neue Adelsgesellschaft entstand. Alle seine Hauptleute im normannischen Heer waren seine Freunde, aus diesem erlesenen Kreis entstand eine schlagkräftige Truppe eingeschworener Mannen. Dies war einer der Gründe warum die Normannen so stark und effektiv waren.

as Lehnswesen kam aus dem Frankenreich. Man belehnte freie Männer, damit sie berittenen Kriegsdienst leisteten. So war das Lehnswesen immer sehr stark mit dem Reiterkriegertum verbunden. Der lateinische Begriff „miles“ bedeutet wörtlich übersetzt nur „Soldat“, wurde aber im 11. Jahrhundert der Inbegriff für Vasall oder wurde sinngemäß für „Ritter“ verwendet, wobei man im 11. Jahrhundert eher von Reiterkriegern sprechen sollte, da das Rittertum mit seinen Traditionen und Zeremonien (Schwertleite usw.) und damit der Niederadel erst im 12. Jahrhundert als eigener Stand entstand.

m 11. Jahrhundert war der Adel noch nicht unbedingt und vor allem ausschließlich von der Geburt abhängig. Noch konnten tüchtige freie Männer über den Erhalt von Ämtern, von Land und natürlich das Wichtigste, worüber es hier als Thema ja geht - dem Kriegsdienst für ihren Herrn - in der Gesellschaft aufsteigen. Im eroberten England waren die Männer, die William in der Zeit nach der Schlacht bei Hastings belehnt hatte -  seine treuen Männer, seine Hauptleute - also jene, die er aus den führenden normannischen Familien als junge Männer an sich band, die ersten Barone des neuen normannischen Reiches, der neue Hochadel von England.


Zu den dargestellten Personen:

ie Väter von Gilbert fitz Richard de Clare und Roger de Vere gehörten zu den ersten Baronen von England. Roger de Clare erbte den Titel nicht, sondern sein Bruder, somit gehört er also „nur“ zum Kriegsadel als Miles, während Gilbert fitz Richard de Clare "of Tonsbridge" (und später auch "of Cardigan") Erbe des Titels, also einer Barone ist, und somit dem Hochadel angehört. Anzumerken ist, dass die de Clares zu den mächtigsten Familien Englands gehörten.

Quelle: Kristin Weber „1066 Die normannsiche Eroberung Englands“ und Wikipedia, der freien Enzyklopädie