AD1099 - Ein wenig zum historischen Hintergrund


Wer waren die Normannen?

Der Name "Normannen" kommt ursprünglich von "Nord-Mannen" (Norweger). Die räuberischen Seefahrer der Nor(d)mannen wurden auch als "víkingar" bezeichnet. Sie waren hervorragende Schiffbauer und Seefahrer und trieben Handel vom Ostseeraum bis ins Mittelmeer.

Im Jahr 911 hatte der westfränkische König Karl ("der Einfältige") einer Gruppe von Wikingern unter ihrem Anführer Rollo erlaubt, sich in Nordfrankreich niederzulassen, mit dem Gedanken, dadurch die Küste vor weiteren Überfällen zu schützen. So einfältig schien er nicht gewesen zu sein, denn der Gedanke erwies sich als richtig: Aus den Wikingern der Region wurden die fränkischen Normannen, aus dem Landstrich die Normandie. Sie nahmen die französische Sprache an und entwickelten eine eigenständige kulturelle Identität, die sie sowohl von ihren skandinavischen Vorfahren als auch von ihren frankogallischen Nachbarn unterschied. Die Christianisierung schritt bei den Normannen schnell voran und die Kirche wurde eine Quelle der Identität. Die Normannen bauten in der Normandie einen modernen Lehnsstaat auf und verschmolzen das nordische Gefolgschaftsrecht mit dem fränkischen Lehnsrecht.

In der Folgezeit setzten sich um 1030 Normannen zudem in der Gegend um Neapel, bei Aversa und Capua fest. Schließlich erlangten sie in beinahe ganz Süditalien und Sizilien die Herrschaft, das sie von den Sarazenen eroberten.

Die Eroberung Englands

1066 eroberte Wilhelm ("der Bastard") - Herzog der Normandie - mit päpstlichem Segen England. Wilhelm hatte eine Invasionsflotte von 600 Schiffen und 7000 Soldaten zusammengestellt. Seine Männer kamen aus allen Gegenden Nordfrankreichs, aber auch aus den Niederlanden und Deutschland. Viele seiner Soldaten waren nachgeborene Söhne, die keine Aussicht auf ein Erbe hatten, mit dem sie ihren Lebensunterhalt sichern konnten. Wilhelm versprach ihnen Land und Titel aus seinen Eroberungen, falls sie Pferd, Waffen und Rüstung selbst stellten. Am 28. September landet die Flotte an der Südküste Englands. Am 14. Oktober beginnt bei Hastings schon am frühen Morgen die heftige Entscheidungs-Schlacht. Am Abend fällt Harold Godwinson, der König von England, und mit ihm viele Mitglieder des angelsächsischen Adels. Die Truppen von Herzog Wilhelm (jetzt: "Wilhelm der Eroberer") besiegen das angelsächsische Heer. Am 25. Dezember 1066 wird Wilhelm in der Abtei von Westminster in London zum neuen König von England gekrönt (Wilhelm I.).

Nachdem England erobert worden war, standen die Normannen vor der Herausforderung, die neu erlangte Herrschaft auch zu sichern. Probleme gab es genug: Die neue normannische Oberschicht war der englischen Bevölkerung an Zahl natürlich bei weitem unterlegen. Zudem war die noch vorhandene angelsächsische Oberschicht an eine völlige Unabhängigkeit von der Regierung gewöhnt, während die Normannen ein zentralisiertes System hatten, an dem die Angelsachsen sich störten. Revolten unter Führung von enttäuschten angelsächsischen Adligen brachen aus. In kürzester Zeit wurden daher Unmengen von Burgen zuerst aus Holz (sog. Turmhügelburgen/Motten), später immer häufiger auch aus Stein (z.B. der White Tower in London) errichtet, um Aufständen vorzubeugen und die umliegenden Landstriche zu kontrollieren. 

1071 werden die letzten größeren Revolten der Angelsachsen niedergeschlagen und der letzte Rest des angelsächsischen Adels wird weitgehend entmachtet. Wichtige Positionen - z.B. die Sheriffs als Verwalter der Grafschaften (von "shire-reeve", shire=Grafschaft) - werden durch besonders königstreue Normannen besetzt.

1086 schickt Wilhelm I. Beamte durch die englischen Ländereien, um den englischen Grundbesitz ausführlich aufnehmen. Alle Ländereien, Besitzer und Bewohner, Vieh und Landbesitz werden für die Steuertabellen genau erfasst. Ergebnis der Erhebung ist das sog. "Domesday Book", welches bis heute erhalten ist.

1087 stirbt Wilhelm I., der Eroberer. Thronfolger für den Königssitz in England wird sein Sohn Wilhelm ("Rufus" = der Rote). Die Normandie hingegen bekommt sein Bruder, Robert Curthose. Dadurch ergab sich für diejenigen Adligen, die Ländereien auf beiden Seiten des Kanals hatten, ein Problem: Da Wilhelm und sein Bruder Robert Rivalen waren, mussten sich die Adligen für einen Lehnsherrn entscheiden, würden aber damit auf jeden Fall die Gunst des anderen Herrschers verlieren. Die einzige Möglichkeit, die sie sahen, war, die beiden Reiche, Normandie und England, zu vereinigen. Dies führte zur Rebellion von 1088, in der die Adligen sich Robert Curthose anschlossen. Anführer dieser Rebellion war der Bischof Odo von Bayeux, ein Halbbruder von Wilhelm dem Eroberer. Robert Curthose ließ sich dabei jedoch in England persönlich nicht sehen, um die Rebellen zu unterstützen. Wilhelm Rufus konnte die Aufständischen mit Silber und Versprechen hinsichtlich einer besseren Regierung auf seine Seite ziehen und fiel 1090 in der Normandie ein und schlug Roberts Heer vernichtend. Dieser musste daraufhin Teile seiner Ländereien an Wilhelm abtreten.

Der erste Kreuzzug

1096 formiert sich nach der Kreuzzugpredigt von Papst Urban II. ein gigantisches Kreuzfahrerheer, das in erster Linie aus Franzosen, französischen und süditalienischen Normannen, Flamen und Lothringern bestand. Anführer des Kreuzzuges waren neben Normannen wie Robert von der Normandie und Bohemund von Tarent auch Gottfried von Bouillon, Raimund IV. von Toulouse, Balduin von Boulogne, Robert von Flandern, Hugo von Vermandois. Da man sich nicht auf einen Oberbefehlshaber einigen kann, sind Konflikten beim Verlauf des Kreuzzuges vorprogrammiert.

1097 startet das Kreuzfahrerheer mit der langwierigen Belagerung von Antiochia, die Stadt wird jedoch erst im 1098 durch Verrat eingenommen. Dummerweise werden die Kreuzfahrer nun selbst zu Belagerten, da ein vereintes Entsatzheer der Emire von Mosul, Aleppo und Damaskus nur fünf Tage später eintrifft. Da es aufgrund der Belagerung in ganz Antiochia keine Nahrungsmittel mehr gibt, wird eine dreiwöchige Fastenzeit ausgerufen. Währenddessen verbreitete Bohemund von Tarent das Gerücht um die Heilige Lanze. Ein Mönch namens Peter Bartholomäus hatte eine Vision, in der ihm der heilige Andreas erschien, und ihm den wahren Aufenthaltsort der Heiligen Lanze zeigte. Tatsächlich fand sich am prophezeiten Ort eine Lanze. Durch den Fund der Heiligen Lanze motiviert, stellten sich die Kreuzfahrer dem muslimischen Entsatzheer zum Kampf und schlagen es in die Flucht schlugen. 

Der Normanne Bohemund von Tarent ernennt sich nun zum Fürsten von Antiochia, und gründet damit einen Kreuzfahrerstaat. Bohemund beendet seine Teilnahme am Kreuzzug und fängt an, seine Herrschaft im Fürstentum auszubauen. An seiner Stelle zog sein Neffe Tankred weiter Richtung Jerusalem.

1099 wird unter Gottfried von Bouillon Jerusalem erobert. Gottfried wird Regent des neu errichteten Königreichs Jerusalem.


Normannische Reiche um 1100. Quelle: Wikipedia