Ort und Burg Tonbridge


oher der Name Tonbridge genau kommt, ist unklar. Eine Deutungsweise wäre - der früheren Schreibweise ("Tonebridge") nach eine Brücke aus Ton oder ähnlichem Baumaterial.

ie Stadt Tonbridge befindet sich in der Grafschaft Kent, südlich von London. Tonbridge Castle wurde im 11. Jahrhundert von dem normannischen Edelmann Richard Fitzgilbert de Clare oder Richard "of Tonbridge" direkt nach der Eroberung Englands erbaut. Richard hatte die Ländereien zuvor seinem Cousin, Wilhelm dem Eroberer, als Dank für seine Treue in der Schlacht von Hastings überlassen bekommen. Mit dem Bau der Burg wuchs sowohl die Einwohnerzahl der kleinen Siedlung Tonebridge, wie ihr Name 1087 im Domesday Book noch lautete, als auch ihr Ansehen im Land.

Tonbridge History

Karte der zu Tonbridge gehörenden Ländereien

 

Tonbrige Castle

ie erste Burg wurde nach der Eroberung im damals typischen Stil einer Motte (Turmhügelburg) gebaut. Turmhügelburgen waren zu dieser Zeit sehr verbreitet und ließen sich aus Erde und Holz günstig und verhältnismäßig schnell errichten. Dennoch mussten für den Turmhügel von Tonbridge Castle ca. 50.000 Tonnen Erde bewegt werden. Der Erdhügel ist bis heute erhalten.


Bildquellen: spartacus.schoolnet.co.uk & Wiki Commons

Im Jahre 1088 kam es mit einem Konflikt mit dem König, William II. ("Rufus"). Dessen Armee legte nach einer Belagerung die Motte in Schutt und Asche. In den folgenden Jahren wurde die Burg dann wieder aufgebaut, diesmal jedoch als eine Motte mit Turm und Außenmauern aus Stein. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Burg immer mehr erweitert. Heutzutage steht nur noch das mächtige Torhaus, welches 1260 fertiggestellt wurde, und ein Herrenhaus aus dem Jahre 1793.

 

Die Turmhügelburg (Motte)

ie ältesten datierten Turmhügelburgen sind aus der Zeit zwischen 900 und 1000 n. Chr., die meisten der Anlagen entstanden jedoch im 11.–12. Jahrhundert. In einigen Teilen Europas sind Motten bis ins frühe 15. Jahrhundert errichtet worden. Während in Frankreich und England auch Burgen im Besitz des Königs oder des Hochadels in der Bauform der Motte errichtet worden waren, handelte es sich bei den meisten Turmhügelburgen in Mitteleuropa um den ständigen Wohnsitz eines Angehörigen des niederen Adels und seiner Familie. 

it den Normannen kam die Turmhügelburg als "Motte and Bailey" oder "Stronghold" auf die Britischen Inseln. Bei der normannischen Eroberung wurden schnell zahlreiche Motten als erste Stützpunkte errichtet. Turmhügelburgen konnten recht schnell durch die Erde/Holzbauweise errichtet werden. So verfügten die Normannen bereits kurz nach der Invasion über ein dichtes Netz militärischer Stützpunkte auf der Insel. Abbildungen der Motten finden sich auch auf dem Teppich von Bayeux. 

ie dargestellten Turmhügel sind an ihrem Fuß von einem kleineren Wall oder einer Mauer umgeben. Die Holzbauten auf den Hügelplateaus sind unterschiedlich gestaltet, gemeinsam ist ihnen die Aufgliederung in eine umgebende, mit Wehrgängen ausgestattete Palisade (die teilweise durch angegliederte Bauten erweitert ist) und einen turmartigen Bau im Zentrum. Einige dieser Eroberungsburgen wurden später zu gewaltigen Steinburgen ausgebaut. 

on den Turmhügelburgen ist aufgrund der Holzbauweise heutzutage nur noch die Motte, der Erdhügel, erhalten, oder sie wurden später zu steinernen Burgen ausgebaut. So steht etwa der Keep von Windsor Castle auf einem großen Turmhügel, ebenso bei Arundel Castle. Es gibt aber schöne Rekonstruktionen von Turmhügelburgen, wie z.B. die Turmhügelburg Lütjenburg, oder die Bachritterburg Kranzach (siehe Bilder unten).


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